Ab in den Wald

Kleine Baumkunde

Weißtanne, Eiche, Fichte  – die Baumarten des Schwarzwaldes sind so vielfältig wie seine Natur. Allein im Nationalpark Schwarzwald stehen schätzungsweise 4 Millionen Bäume. Wir stellen die 5 häufigsten Vetreter vor.

© Baiersbronn
von Baiersbronn Touristik Di. 02. Februar 2021

Rund 511.000 Fußballfelder, oder 365.000 Hektar – das ist die Gesamtwaldfläche des Schwarzwaldes, der beliebtesten deutschen Waldlandschaft. Aber welcher Baum gab dem Schwarzwald seinen Namen? Was für eine Art wird häufig als Überlebenskünstler bezeichnet? Und was hat die Buche mit dem Wort "Buch" zu tun? Wir klären auf!

1. Weißtanne – die Namensgeberin

Der wichtigste Baum im gesamten Schwarzwald ist wohl die Weißtanne. Anders als der Name vermuten lässt, ist sie der Grund für die mystische Bezeichnung des Schwarzwaldes. Ihre dunkelgrünen Nadeln erscheinen aus der Ferne nämlich fast schwarz. Die deutsche Bezeichnung ergibt sich aus ihrer silbergrauen Rinde. Mit einer Höhe von bis zu 65 Metern wachsen Weißtannen so hoch wie die Brückentürme der Londoner Tower Bridge. Damit zählt die Weißtanne zu den höchsten in Europa heimischen Bäumen.

lat. Abies alba

Größe – bis zu 65 Meter

Alter – bis zu 500 Jahre

Blattform – weiche, stumpfe und glänzende Nadeln

Frucht – Tannenzapfen

Rinde – hellgrau und glatt, im Alter dunkler und schuppiger

 

Fun Fact: Die alten Germanen verehrten die Tanne förmlich, galt sie ihnen als Wohnsitz der Erntegeister. Sie beschenkten die Tanne deshalb mit kleinen Gaben, die sie an ihre Zweige hängten. So enstand der Brauch des Christbaumschmückens.

2. Eiche – die Gewaltige

Circa 150.000 Blätter hängen an einer ausgewachsenen Eiche und damit in etwa so viele wie Paderborn Einwohner zählt. Das Blätterdach entfaltet dabei eine Größe von bis zu tausend Quadratmetern. Der Ursprung einer jeden Eiche ist eine kleine Eichel, die im Herbst vom Baum fällt und von der eine Eiche etwa 150 Kilo pro Jahr produziert. Geschützt von der eigenen Hülle, überlebt die eierförmige Frucht den kalten Winter. Im Frühjahr quillt  sie durch die Feuchtigkeit im Boden auf und schlägt erste Wurzeln. Sobald die ersten Blätter das Tageslicht erreichen, wächst ein junger Baum heran. Die charakteristischen Blätter der Bäume, die bis zu tausend Jahre alt werden können, waren bei den Germanen ein Symbol für Unsterblichkeit.

lat. Quercus

Größe – bis zu 30 Meter

Alter – bis zu 1.000 Jahre

Blattform – eierförmige Blätter

Frucht – eiförmige Eicheln

Rinde – erst rötlich, später grau

 

Fun Fact: In den beiden Weltkriegen war Kaffee ein rares Gut. Deshalb röstete und malte man Eicheln als Ersatz. Der Geschmack ließ aber zu Wünschen übrig und man verlegte sich eher auf Getreidekaffee.

Baum-Cache

Mit Hilfe des GPS-Gerätes die heimischen Baumarten kennen lernen: Im Wander-Informationszentrum von Baiersbronn können Besucher gratis GPR-Geräte der Region ausleihen und sich auf eine Spurensuche der besonderen Art begeben.

3. Kiefer – die Überlebenskünstlerin

Die Kiefer ist eine wahre Überlebenskünstlerin. Sie hat sich in ihrer Entwicklungsgeschichte an fast jede Umweltbedingung angepasst und kann sehr genügsam mit Nährstoffen und Wasser umgehen. Dem zähen Nadelbaum ist kaum ein Boden zu trocken, kein Wind zu rau. Bevorzugt wächst sie trotzdem in lehmigem Sand oder sandigem Lehm. Voraussetzungen, die die Schwarzwälder Höhenkiefer insbesondere im nördlichen Teil des Schwarzwaldes vorfindet. Das älteste Wurzelgeflecht einer Kiefer befindet sich übrigens in Tasmanien, wo aus einer 10.500 Jahre uralter Wurzel ständig  neue Kiefernbäume sprießen.

lat. Pinus sylvestris

Größe – bis zu 45 Meter

Alter – bis 700 Jahre

Blattform – Nadeln

Frucht – spitzzulaufende Zapfen

Rinde – gelblich bis rötlich, mit dem Alter dicker und rissiger

 

Fun Fact: Die Kiefer gehört zu den harzreichsten Nadelbäumen. Aus ihrem Holz wurden die sogenannten Kienspäne geschnitten. Im Mittelalter waren sie wichtige Lichtquelle und wurden auch noch bis ins 20. Jahrhundert verwendet.

4. Buche – die Druckplatte

Die Buche ist eine der bekanntesten Baumarten Deutschlands. Was aber kaum jemand weiß: sie ist der namensgebende Ursprung für das Wort "Buch". Bis ins 16. Jahrhundert wurde ihr leicht zu verarbeitendes Holz nämlich für Holztafeln und später für Pergamentsammlungen mit hölzernem Buchdeckel verwendet. Nach der Erfindung des Papiers verwendete man zwar immer seltener dünne Buchenholzscheiben bei der Buchproduktion, der Begriff Buch blieb allerdings erhalten und wir benutzen ihn bis heute. 

lat. Fagus sylvatica

Größe – bis zu 40 Meter

Alter – bis zu 300 Jahre

Blattform – eiförmige Blätter

Frucht – Bucheckern (Nüsse)

Rinde – dünn, glatt und silbergrau

 

Fun Fact: Pro Stunde verbraucht die Buche mehr als zwei Kilo Kohlendioxid und produziert gleichzeitig 1,7 Kilo Sauerstoff. Alleine eine Buche versorgt somit täglich 20 Menschen mit Sauerstoff.

5. Fichte – der Weihnachtsbaum

Die Fichte als häufigste Baumart in Deutschland ist nicht nur wichtiger Holzlieferant, sondern wird neben der Nordmanntanne auch gerne als Weihnachtsbaum gewählt. Und wer sich schon immer gefragt hat, wie viele Nadeln eine Fichte wohl haben mag, dem sei gesagt: 14.278.660. Nicht geschätzt, sondern gezählt! Verrückt, aber tatsächlich wahr. Ein junger Forstwissenschaftler hat sich im Rahmen seiner Doktorarbeit tatsächlich die Mühe gemacht und jede einzelne Nadel einer 30,59 m hohen Fichte addiert.

lat. Picea abies

Größe – bis zu 50 Meter

Alter – bis zu 600 Jahre

Blattform – Nadeln

Frucht – Zapfen

Rinde – bräunlich rot und dünnschuppig

 

Fun Fact: Die Fichte wird aufgrund ihres guten Klangholzes zum Bau von Instrumenten verwendet. So werden beispielsweise viele Alphörner aus Fichtenholz gefertigt.