Einkaufen in Baiersbronn I Regionale Produkte frisch vom Bauernhof
Probier mal!

Frühstück vom Bauernhof

Regionale Lebensmittel direkt vom Bauernhof auf den Frühstückstisch. Das gehört zum Urlaub in Baiersbronn einfach dazu. Drei Tipps für den Einkauf ab Hof.

Probier mal!

Frühstück vom Bauernhof

Regionale Lebensmittel direkt vom Bauernhof auf den Frühstückstisch. Das gehört zum Urlaub in Baiersbronn einfach dazu. Drei Tipps für den Einkauf ab Hof.

von Stefan Ruzas
Mi. 31. Juli 2019

Supermarkt kann jeder. Überall. Kleine Hofläden aber machen den Urlaub auf dem Land erst zum richtigen Erlebnis. Die Produkte schmecken besonders lecker und frisch, sind meist bio, werden aber vor allem direkt vor Ort hergestellt. Und natürlich hat es auch Charme, wenn die Kinder mit der Milchkanne zum Milchholen gehen, wenn man die Mühle für das Brotmehl sieht, mit der das Korn für das regionale Brot gemahlen wurde – oder die frechen Ziegen, die neugierig von der Weide gucken, wenn man im kleinen Laden ihren Käse kauft. Hier unsere drei ganz persönlichen Tipps fürs Frühstück:

1. Frisches Brot von der Neumühle

Zugegeben, ein Hof ist die Neumühle nicht. Aber sie ist eine echte Mühle, eine Mühle, die noch in Betrieb ist und sehr aktiv. Mitten in Baiersbronn steht sie. Und gleich daneben der Naturkostladen mit Café. Vom Laden aus sieht man das Mehlsilo und eine Mischmaschine. Die mixt die Spezialmischungen für Vollwertbrote, das die Mühle vorher gemahlen hat. Wer also im Urlaub gerne sein Brot selber backen möchte, findet hier die richtigen Zutaten. Die eigene Spezialmischung besteht aus einem Drittel Roggen und zwei Drittel Weizen. Insgesamt 24 „Standardmahlerzeugnisse“, so heißt es in der Fachsprache, stellt die Mühle her.

Von Brot bis Zopf, alles selbstgemacht
Aber selbstverständlich gibt es hier auch schon frisch gebackene Brote, Brötchen („Weggle“), Kuchen, köstliche Hefezöpfe, aber auch Croissants, Knäckefladen, Pumpernickel und eigens gemischtes Müsli. Die Kuchen werden mit vollwertigem Dinkelmehl hergestellt. „Denn Dinkel ist weniger belastet und Weizen vertragen immer weniger Leute“, erklärt Brigitte Geiser, die eigentlich aus Stuttgart stammt und nach Baiersbronn eingeheiratet hat.
Der Familienbetrieb, den Reiner und Brigitte Geiser weiterführen, wurde Anfang des 19. Jahrhunderts aufgebaut. Die Besonderheit neben der Mühle ist der Steinbackofen, einer, wie es ihn früher auf jedem Bauernhof gab. In dem wird auch heute noch das Brot gebacken. Seitdem die Bäckerei zu einem Café erweitert wurde, kann man hier auch prima einkehren. Und wenn Brigitte gerade ihren frischen Hefezopf gebacken hat: Unbedingt ein Stück probieren!

2. Milch vom Teufelsbauernhof

Bernhard Schwenkel mag es gern praktisch und unkompliziert. Deshalb scheint seine Milchzapfanlage auch ein wenig aus der Zeit gefallen. Sie ist rein mechanisch und funktioniert ohne technischen Schnickschnack. Der 61-jährige Biobauer (das ist er nämlich auch ohne Verbandszugehörigkeit) übernahm diese simple wie effektive Idee von einem Kollegen. Denn manchmal brauchen die Leute einfach schnell noch eine Milch. "Und bei mir können sie die dann einfach selber abzapfen." Hierfür hat Schwenkel einfach eine kmleine Zapfanlage an den riesigen Milchtrog angebracht. marke Eigenbau. Dafür  „mit Kindersicherung“, erklärt der Bauer stolz.

 

Für einen Euro direkt vom Bauern

Man zieht also ein bisschen am Hebel, um ihn aus der Sicherung zu heben, dreht ihn nach links – und schon fließt die frische Kuhmilch in die Kanne. Eine Flasche oder Eimer muss man selbst bringen. Für Kinder ist das Michtanken ein einmaliges Erlebnis: Es riecht nach Kuh und nach Milch und nach Stall. Und der Weg zum Teufelsbauernhof in Klosterreichenbach ist einfach gefunden – trotzdem kommen Kinder am besten in Begleitung der Eltern.
Einen Euro kostet der Liter Milch. Das Geld wirft jeder Kunde selbst in die Kasse. Die besteht nur aus einer Schachtel in einem Regal. Schwenkel vertraut also auf die Ehrlichkeit seiner Kunden. „Bislang sind alles ehrliche Leit‘ gwesen und es hat nie Probleme geben“, sagt der Milchbauer. Und ist sicher, dass das so bleiben wird.

 

Frisch, frischer, wie selbst gemolken

Frischer als hier geht es also nicht. Stellt man die Milch gleich in den Kühlschrank, hält sie sich eine Woche. Laut Gesetzgeber muss es heißen: Milch vor dem Verzehr abkochen. Aber Schwenkel findet: „Ich selbst würde die nie abkochen.“ Wer also gerade dringend frische Milch braucht oder sie noch ganz unverarbeitet haben möchte, kann an jedem Tag vorbeikommen und zapfen. Wenn er zu spät dran ist, kann der Bottich natürlich auch mal leer sein. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

3. Ziegen-Frischkäse vom Hof Peterle

Für Ziegen-Fans ist der Hof Peterle in Schönegrund ein Paradies. Dort oben auf seinem Hof, mit herrlichem Blick ins Tal, hört man sie stetig meckern und schnauben, die Ziegen – und riechen kann man sie auch. Über 60 Muttertiere gehören Michael Peterle. Im Frühjahr vergrößert sich die Herde immens, denn bis zu 80 Kitze kommen dann dazu. Das ist auch die Zeit, in der Peterle mit der Herstellung seines feinen Ziegenkäses beginnt. Von Frühjahr bis Herbst melkt er die Ziegen täglich – und macht aus der biologischen Ziegenmilch herrlichen Käse. Besonders beliebt ist sein Frischkäse oder der Frischkäse mit Dost. Das ist wilder Oregano, der auf den Wiesen des Schwarzwaldes wächst. Dieser Käse gehört zu den „Baiersbronner Schätzen“ und ist auch bei den Baiersbronner Sterne-Köchen sehr begehrt.

„Ziegen sind aufmerksam, liebenswürdig, sehr schlau und sie hassen Regen!“
Michael Peterle über seine Ziegen

Käse, Eier und Fleisch nach Saison
Neben Frischkäse verkauft Peterle in seinem Hofladen auch Weichkäse oder halbfesten Schnittkäse, Ziegenmilch und Molke, geräucherte Ziegenwürste und Ziegenwurst in der Dose sowie frische Eier. Diese liefern ihm seine 200 Legehühner im hofeigenen Freilandgehege – ebenfalls bio-zertifiziert.
Zweimal im Jahr, im Mai und im Oktober, gibt es Ziegenfrischfleisch auf seinem Hof. Denn damit die Herde nicht ins unermessliche wächst, muss er regelmäßig einige seiner Jungtiere schlachten. Das passiert in seinem Beisein im Gemeindeschlachthaus in Klosterreichenbach, ein paar Kilometer entfernt. Das Zerlegen des Fleisches und auch die Herstellung der Würste macht er immer selbst.

 

Von Ludwigsburg über's Elsass nach Baiersbronn
Der gebürtige Ludwigsburger kam eher zufällig zur Landwirtschaft und zu den Ziegen – bei einem Praktikum auf einem Bauernhof während seines Biologie-Studiums. Mit seiner Frau Katja betrieb er einige Jahre im Elsass Landwirtschaft, bevor sie 1992 nach Baiersbronn zogen. Die Ziegen findet Peterle ganz großartige Tiere: „Sie sind aufmerksam, liebenswürdig, sehr schlau und sie hassen Regen!“ Klingt ja eigentlich richtig menschlich.

Stefan  Ruzas
Stefan Ruzas

Der gebürtige Düsseldorfer wohnt seit 30 Jahren in München und hat zwei Kinder. Er schreibt als Autor für Titel wie FOCUS, Süddeutsche Zeitung, Welt am Sonntag, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung oder die Zeit. Er ist Gründer des modernen Bergmagazins Monte und Dozent an der Akademie der Deutschen Medien.

Fotograf Hardy Müller
Hardy Müller

Der Fotograf wurde 1965 in Ludwigshafen am Rhein geboren, studierte in Bielefeld Fotodesign und kehrte danach wieder in die Pfalz zurück. Der Vater von zwei Kindern arbeitet seither als freelancer, u.a. für GEO, National Geographic, Stern, Greenpeace Magazin und Die Zeit.

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