Selber imkern in Baiersbronn
Probier mal!

Es brummt in Baiersbronn

Mehr Obst an den Bäumen, den eigenen Honig im Glas und lebendiges Brummen im Garten. Immer mehr Menschen entdecken das Imkern für sich. Marion Schnittger-Nold ist einer davon. Ein Ortsbesuch.

von Birgitt Hölzel
Mo. 09. März 2020

Seit knapp zehn Jahren lebt die Familie Schnittger-Nold auf dem Abrahamshof in Baiersbronn. Aus dem badischen Muggensturm bei Rastatt zog es sie in den Schwarzwald. Den knapp hundertjährigen Jugendstilhof mit landwirtschaftlicher Nutzung zu ihrem Zuhause zu machen, war für die Diplomfinanzwirtin und ihren Mann eine Herausforderung, aber eben auch Lebenstraum. Richtige Landwirte, das wollten die beiden allerdings nie werden. Ihre eigenen Lebensmittel erzeugen allerdings schon. Zumindest einen Teil davon. Deshalb halten die beiden nicht nur ihre eigenen Hühner, sondern imkern auch fleißig.

Gesellschaftstrend Imkern

„Als wir in unseren Hof eingezogen sind, haben wir einfach alles vorgefunden, was man zum Imkern braucht“, erinnert sich Marion Schnittger-Nold. Ein leeres Bienenhaus stand im Garten. Waben, Hut, Pfeife, alles vorhanden. Den eigenen Honig herstellen, und gleichzeitig die Obstbäume wieder zum Tragen bringen, ein Traum für die beiden Neu-Baiersbronner. Dank solcher Träume ist die Anzahl der Imker in Deutschland in den letzten fünf, sechs Jahren von gut 100.000 auf fast 140.000 gestiegen. Über 90 Prozent betreiben die Imkerei wie Schnittger-Nold als Hobby und kümmern sich um 870.000 Bienenvölker. 

Auf dem Abrahamshof fingen die Schnittger-Noldes aber erstmal klein an. Anfangs haben sie sich eingelesen und schnell beschlossen, den alten Bienenstock nicht mehr zu verwenden. „Ich wusste ja nicht, was da alles an möglichen Giften drin ist.“ Dann belegte sie einen Imkerkurs bei einer Bio-zertifizierten Verbund, um zu verstehen, worauf es bei einer wesensgerechten Bienenhaltung ankommt, und legte los. Die ersten Jahre hatte sie nur zwei Bienenvölker, bis der Nachbar ihr weitere fünf vermachte.

"Es ist sehr befriedigend, zu erleben, wie sich in der Natur alles zusammenfügt, wenn man sie mit Respekt behandelt"
Marion Schnittger-Nold

Erst die Bienen, dann die Äpfel

Wesensgerechte Haltung heißt, dass die Bienen sich durch Schwarmbildung teilen können, sodass zwei gesunde, starke Völker entstehen. Auch dürfen die Bienen am Ende des Sommers so viel von ihrem selbst hergestellten Honig behalten, dass sie ohne Zuckerzusatz über den Winter kommen. „Mir gefällt es, wenn die Bienen aus der Fülle heraus überwintern können und sie nicht vom Mangel geschwächt werden.“ Auch wenn das für Schnittger-Nold weniger Ausbeute an Honig bedeutet. Es geht ihr schließlich nicht um wirtschaftlichen Gewinn, sondern um wirklich guten, nachhaltig gewonnenen Honig in den Mengen, den ihr die Bienen geben – und den sie ab Hof verkauft, solange der Vorrat reicht. Besonderer Nebeneffekt: tragende Obstbäume.

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Heute summt und brummt es emsig auf ihrer Obstwiese. 85 Hochstammbäume wachsen hier, vor allem alte Sorten an Äpfeln und Birnen. Früher haben sich die Bienen aus dem Baiersbronner Tal in der Zeit der Obstblüte nicht bis zum Hof verirrt. Zu kalt war ihnen im April und Mai die Höhenlage von 600 Metern. Entsprechend karg war die Obstausbeute im Herbst. In den letzten Jahren hingegen war sie so hoch, dass sie sogar Apfelsaft pressen und Most herstellen konnte, weil sie gar nicht mehr wusste, was sie sonst mit den vielen Äpfeln tun sollte. „Es ist sehr befriedigend, zu erleben, wie sich in der Natur alles zusammenfügt, wenn man sie mit Respekt behandelt“, sagt Marion Schnittger-Nold und in diesem Moment setzt sich eine ihrer Bienen auf ihre Schulter, als wolle sie leise Danke sagen.

Imkern daheim

Das braucht's für den eigenen Honig

# Der eigene Bienenstock braucht rund vier Quadratmeter Platz. Nur so kann man mit den Bienenhäusern und Waben gut hantieren.

 

# Bienen suchen in einem Radius von maximal drei Kilometern Nektar. Ein bis zwei Kilometer ist ihre bevorzugte Distanz.

 

# Um eine intensive Beschäftigung mit dem Thema kommt man nicht herum, jeder sollte mindestens einen Imkerkurs besuchen.

 

# Die Kosten für den Einstieg belaufen sich zwischen 750 und 1400 Euro, je nachdem, ob man sich z.B. eigene Geräte fürs Honigschleudern zulegen möchte.

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# Bienen sind wie auch die Hühner beim Veterinäramt anzumelden.

 

 

# Frühling und Frühsommer ist Bienenzeit. Von Mai bis August heißt es: intensive Betreuung der Bienen und Ernten des Honigs.

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Birgitt Hölzel

Birgitt Hölzel lebt und arbeitet in München. Sie hat bereits in Medien wie „Freundin“ und „Handelsblatt“ veröffentlicht, war Mitgründerin der Magazine „Delikatessen“, „Haben & Sein“ und „Monte“ und Verfasserin des Kochbuchs „Das Leben ist schön lecker“. Schon als jugendliche Skifahrerin hat sie entdeckt, dass es auch im Schwarzwald sehr anspruchsvolle Pisten gibt – auf dem Feldberg.

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