Joko Winterscheidt kocht
Probier mal!

Joko kocht

TV-Star Joko Winterscheidt durfte einen Tag lang bei Torsten Michel in der Drei-Sterne-Küche der Schwarzwaldstube assistieren. Und entdeckte, dass Showbusiness und Spitzengastronomie erstaunlich viel gemeinsam haben.

von Friedemann Karig
Di. 30. Oktober 2018 8

Was passiert, wenn ein Fernseh-Quatschmacher in die hochseriöse Welt der Spitzengastronomie eintaucht? Joko Winterscheidt, 39, bekannt aus PRO7-Shows wie „Die beste Show der Welt“ oder „Joko gegen Klaas – das Duell um die Welt“, seit einem guten Jahrzehnt showbusiness-gestählt, wollte es wagen. Für sein Reportagemagazin JWD wollte er einen Tag ganz oben mitkochen. Und Torsten Michel, 40, Spitzenkoch, war so waghalsig und hat ihn eingeladen. Joko Winterscheidt über einen Tag voller Schweiß, Blut und Vinho Verde in Baiersbronn.

Karig: Joko, einen ganzen Tag lang durfte „Chef de Cuisine" Torsten Michel von der „Schwarzwaldstube“ auf deine Unterstützung in seiner Drei-Sterne-Küche zurückgreifen. Wie sehr konntest Du ihm und seinem Team helfen?

Joko: Ich habe das Niveau der Schwarzwaldstube auf eine ganz neue Stufe gehoben – was schlechte Gags angeht. Denn Kochen kann ich nicht. Geschweige denn so wie Torsten Michel. Ein Fußballvergleich: Wenn er Toni Kroos ist, bin ich … Joko Winterscheidt. Höchstens Kreisklasse. Unsere einzige Gemeinsamkeit ist, dass wir beide mal Pilot werden wollten. Und vielleicht beide Glück hatten, dass das nicht geklappt hat.

Was hast du bei Torsten Michel gelernt?

Dass sich Fernsehen zu Spitzengastronomie verhält wie Apfelessig zu Champagner. Dass ich
nicht zwei, sondern vier linke Hände habe. Im Ernst: Dass ein Küchenteam auf diesem Spitzenniveau zusammenarbeitet wie ein Orchester. Ohne Egos, ohne Gelaber. Sonst würde man unter diesem Druck nicht so abliefern können, wie das Torsten und seine Truppe jeden Abend tun. Und dass Showbusiness und Spitzengastronomie erstaunlich viel gemeinsam haben.

Zum Beispiel?

Hinterher sieht alles einfach aus. Ich aber habe Tauben ausgenommen und Enten gerupft, die Knochen für die Soßen-Fonds im Kipper herumgeschaufelt, die Amuse-Gueule angerichtet. Man muss schon bei den ersten Arbeitsschritten konzentriert sein, sich die Hände schmutzig machen, später dann zügig vorankommen. Sonst wird am Ende nichts Gescheites draus. Und genau das kam mir bekannt vor aus meinem Brotjob: Die präzise Vorbereitung, die eine Performance auf den Punkt erst möglich macht. Die guten Typen, die man braucht, um eine arschlochfreie Zone aufzubauen, in der wiederum eine gewisse Magie erst möglich wird. Und natürlich die Bereitschaft, sich gebührend selbst zu feiern, wenn man stabil abgeliefert hat. Aber das ist eine andere Geschichte. Sagen wir es so: Die Jungs waren sehr nett zu mir. Auch, was Freigetränke angeht.

Hat das Dinner in der Schwarzwaldstube denn geschmeckt?

War ganz okay (lacht laut). Ich meine, wir reden hier nicht mehr von „lecker“ oder „gelungen“. Sondern von kulinarischer Champions League. Von Essen als Kunst. Das waren Geschmacksexplosionen, ehrlich. Mir stand der Mund offen – was beim Essen unvorteilhaft ist.
Als Fischgang eine Kombination aus Austern, Kaviar, Sardinen und Seeigel-Flan, dazu ein unglaublicher Vinho Verde – muss ich mehr sagen? Sowas habe ich noch nie gegessen. Und ich esse viel.

Kanntest du Baiersbronn oder die Traube Tonbach schon vorher?

Nur vom Hörensagen. Ist jetzt vielleicht nicht die erste Destination für einen internationalen Impresario wie mich. Alleine schon, weil es in dem engen Tal so schwer ist, meinen Privatjet zu landen. Aber wirklich, jedes Mal wenn ich in den Bergen bin, egal ob in den Alpen oder im Schwarzwald, genieße ich diese Ruhe sehr. Man geht ein paar Viertelstunden spazieren, so wie von der Traube Tonbach aus Richtung Satteleihütte, und man ist total draußen, im besten Sinne. Baiersbronn ist einfach eine dieser Oasen, in der man total runterkommen kann. Auch menschlich. Alle sind gut drauf und geben ihr Bestes, damit man sich willkommen fühlt und einfach mal treiben lässt. Geiler Pool, übrigens.

Wieso warst du überhaupt hier?

Na, um wenigstens einmal die Woche ordentlich zu essen. Als das Angebot kam, bei Torsten Michel mitmachen zu dürfen, habe ich keine Sekunde gezögert. Ich bin ehrlich fasziniert von solch konstanter Exzellenz. Vor allem, wenn man sie essen kann.

Und mit welcher Ausrede hast du diesen Ausflug in deinen vollen Terminkalender gepackt? Als Aufgabe von Klaas?

Nein, nicht für eine meiner TV-Sendungen. Es wäre vermutlich auch im totalen Chaos geendet, wenn ich als Challenge wie ein Hummer gekocht worden wäre oder sowas krankes. Sondern für mein Magazin namens JWD, das ich jetzt seit einem knappen Jahr herausgebe. Darin kann ich ein bisschen erwachsener sein, eben auch mal in eine Drei-Sterne-Küche gehen und alles kaputt machen. Sieht man auf den Fotos ja nicht. Die Geschichte aus der Schwarzwaldstube ist sogar eine Titel-Story geworden! Und ganz ehrlich, mein Freund Tim Mälzer war mal hier, für seine Sendung „Kitchen Impossible“. Der hat sich auch nicht besser angestellt, sagten die Jungs in der Küche.

Ehrlich?

Sagen wir es so: Tim macht das schon ganz gut. Aber Genie kann man nicht lernen. Torsten und ich verstehen uns da. Aber ich überlege noch, ob ich nicht lieber Sommelier wäre. Ich habe den Weinkeller gesehen. Ich meine: die Weinkeller, im Plural. Danach konnte ich eine halbe Stunde nicht mehr sprechen vor Ehrfurcht. Und wir wissen alle, wie selten das bei mir vorkommt.

Andreas  Lesti
Friedemann Karig

Friedemann Karig schreibt als freier Autor über die schönen Dinge des Lebens: Essen, Reisen, Liebe. Über letztere hat er sogar ein ganzes Buch zusammengetragen: „Wie wir lieben – vom Ende der Monogamie“. Für Jokos Magazin "JWD" schreibt er regelmäßig Reportagen und hat den TV-Star beim Kochen in Baierbronn begleitet.

Joko Winterscheidt Baiersbronn JWD

JWD Magazin

JWD ist ein ein Zeitgeist-Magazin mit Freude an einer Welt, die sich ständig verändert und in der alles möglich ist. Ein Magazin mit Sinn für Style, Design, Reportage und Abenteuerlust. Jokos Küchenerlebnis in Baierbronn ist im Heft 08/18 erschienen.

4,40 Euro

 

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