Drei Generationen, ein Urlaub!
Familienglück

Drei Generationen, ein Urlaub!

Sieben Personen. Drei Generationen. Ein gemeinsamer Urlaub. Kriegt man das unter einen Sonnenhut? Wir probieren es aus – in Baiersbronn.
von Anna Schütz
Do. 23. August 2018 15 Minuten

"Und das hier ist die Großvatertanne“, erklärt Kerstin Musso, „sie ist über 200 Jahre alt.“ Die Rangerin führt uns durch den 2014 gegründeten 10.000 Hektar großen Nationalpark Schwarzwald. Hier, in einem der ältesten Bannwälder Deutschlands, darf die Natur seit über 100 Jahren machen, was sie will. Da sehen wir das frische, helle Grün keimender und heranwachsender Pflanzen direkt neben Bäumen in ihrer höchsten Reifephase. Wir finden aber auch die ältere Generation, die in unseren Wäldern sonst gar nicht mehr auftaucht, weil sie keinen wirtschaftlichen Nutzen hat. Es sind Bäume wie die Großvatertanne, die nur hier überleben konnte, knorrig und krumm, kein Baum für die Holzgewinnung. Die ersten Äste werden dürr, das Holz wird morsch und grau. Und wenn das letzte Blatt gefallen ist oder die letzte Nadel, wird die Zerfallphase beginnen, aus der dann wieder neues Leben wächst. „Auf stark verfallenen Stämmen findet man oft ganze Kindergärten junger Bäume“, weiß unsere Naturexpertin, die mit uns Biologieunterricht zum Anfassen macht. Wir lassen unseren Blick schweifen; atmen und spüren, dass hier etwas ganz Existentielles vor sich geht. Nichts weniger als das Leben in all seinen Facetten und Stadien liegt vor uns.

„Auf stark verfallenen Stämmen findet man oft ganze Kindergärten junger Bäume.“
Kerstin Musso, Nationalparkrangerin im Nationalpark Schwarzwald

Auch wenn mein Vater noch kerzengerade durch den Nordschwarzwald wandert, und auch meine Mutter nur vereinzelte graue Strähnen hat, passt das Bild: Wir sind nämlich auch mit drei Generationen unterwegs, was hier bestens funktioniert. Einen Nachmittag verbringen wir beispielsweise in Friedrichstal, dem südlichsten Teilort der Gemeinde, wo die Kinder Flöße bauen dürfen. Alleine hätten die Großeltern vielleicht an der Fischerhütte Halt gemacht, um eine der gebratenen Forellen zu genießen, für die die Gegend berühmt ist. Dieses Mal kaufen sie einen Floßbausatz, basteln ihn mit den Kids zusammen und lassen die Werke anschließend am Reidegründlebächle zu Wasser.

Baiersbronn ist vor allem als Sternehochburg berühmt, aber punktet auch mit familienfreundlichen Angeboten für alle Altersklassen.

„Bei uns wird Mehrgenerationenurlaub leicht gemacht“, sagt Patrick Schreib, seit zehn Jahren Tourismusdirektor in Baiersbronn und selbst Vater von zwei kleinen Kindern. „Beim Wandern zum Beispiel spielt das Familienangebot eine große Rolle.“ Neun Erlebnispfade entführen in die Geschichte und Sagenwelt der Region. An einem Tag begeben wir uns – für diese Tour mit Entdeckerwesten aus der Touristen-Info ausgestattet – auf den „Holzweg“ und sind auf diesem komplett richtig: er bringt uns den Rohstoff Holz auf kindgerechte, aber auch für Erwachsene spannende Weise näher.

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Am Floßbauen haben mehrere Generationen Spaß.

Auch das „Bareiss“ in Mitteltal und die „Traube“ in Tonbach, zwei der drei Fünf-Sterne-Plus-Häuser des Ortes, setzen auf generationenübergreifende Familienfreundlichkeit. Meine drei Kids besuchen im „Bareiss“ einen Kinder-Kochkurs, der auch für Nicht-Haus-Gäste, wie wir es sind, angeboten wird und lernen - mit Kochmützen und -schürzen ausgestattet - „Herrgottsbescheißerle“ zu machen.

Woher kommt der Name Herrgottsbescheißerle?

Ein weiteres Highlight für alle Generationen ist auch die Wanderung mit Kräuterguide Ingrid Gaisser. Welche natürlichen Schätze da am Wegrand und auf der Wiese wachsen, erfahren wir, als meine Tochter jammert, sie hätte eine Blase. Sofort umwickelt die Naturpädagogin die wunde Ferse mit Spitzwegerichblättern, und das Kind hüpft davon. Aber die Fachfrau für Kräuterkunde bringt uns auch den Geschmack der Pflanzen näher: „Dünsten Sie mal die jungen Knospen des Löwenzahn in Butter und streuen sie diese über den Salat“, sagt sie, während sie uns mit Schokolade überzogene junge Buchenblätter anbietet.

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„Mama, wann fahren wir wieder alle zusammen in den Schwarzwald?"
Jakob Schütz, 12 Jahre alt

Doch es sind nicht nur die Gäste, die in drei oder manchmal gar vier Generationen das Bild der Schwarzwaldgemeinde prägen. Es sind auch die Gastgeberfamilien, die den Staffelstab über Generationen weitergeben und damit Liebe und Verbundenheit zu ihrer Heimat beweisen und den Urlaub zu einem gemeinsamen Erlebnis für alle Altersklassen machen. Und am Ende von fünf erfüllten Tagen bringt mein jüngster Sohn es mit einer Frage auf den Punkt: „Mama, wann fahren wir wieder alle zusammen in den Schwarzwald?“

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Anna Schütz

Die Journalistin, Bloggerin und Buchautorin Anna Schütz arbeitet und lebt mit ihren vier Kindern und ihrem Mann in Hannover. Sie schreibt regelmäßig über Themen rund um Baiersbronn.

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