Schwarzwald Musikfestival 2019 | Mark Mast im Gespräch über...
Foto: Bayerische Philharmonie
Schwarzwald Musikfestival

Mark Mast über...

Der Intendant und Chefdirigent der Bayerischen Philharmonie über seine Heimat Baiersbronn, das Schwarzwald Musikfestival und den gemeinsamen Auftritt mit Konstantin Wecker.

von Stefan Ruzas
Mi. 15. Mai 2019 4

...Baiersbronn:

Ich komme ja aus Mitteltal und alle meine Vorfahren waren Waldbauern, dann Rinden- und Holzhändler und schließlich Sägewerker. Rinde wurde früher dafür verwendet, um Leder zu gerben. Landwirtschaft und Viehzucht war auf Grund des Bodens sehr schwierig, auch Industrie gab es hier lange nicht. Trotzdem haben die Menschen aus den Möglichkeiten immer Maximales gemacht. Baiersbronn ist für mich nicht nur Heimat, sondern auch ein archaischer und urwüchsiger Traum. Ich habe bis heute eine Herzensverbindung zu der Gegend. In den verwinkelten Tälern konnte ich während meiner Kindheit und Jugend kein Profiorchester oder Profiensemble hören. Das war eine musikalisch karge Region. Ich war mit 18 Jahren so naiv, das kann man sich gar nicht vorstellen. Zum Studium bin ich dann nach Heidelberg gegangen und habe erstmal neue Welten entdeckt. Bach-Motetten, Kammermusik, die großen symphonischen und chorsymphonischen Werke. 1987 lernte ich dann Leonard Bernstein kennen, wenige Wochen danach dann Sergiu Celibidache, in dessen Meisterklasse ich fünf Jahre lang studiert habe. Schon in den Anfangsjahren meiner musikalischen Karriere bin ich dann mit jedem Ensemble, jedem Orchester oder Chor nach Baiersbronn gekommen und habe dort Konzerte organisiert. Meine Mutter hat dafür mit kopierten Blättern aus ihrem „Handtäschle“ geworben und meistens waren die Säle voll.

...das Schwarzwald Musikfestival:

Wir spielen mit dem Festival und den 15 Konzerten in 18 Tagen ganz oben in der Bundesliga mit und meistens in der Champions League. Seit 20 Jahren bin ich der Künstlerische Leiter. Damals habe ich mit meinem Konzept einen Wettbewerb gewonnen. Aus den 1986 gegründeten „Internationalen Schwarzwald Musiktagen“ sollte etwas Neues und Größeres werden und mir war sofort klar: Wo Schwarzwald drauf steht, da muss auch Schwarzwald drin sein. Deswegen konzertieren wir heute von St. Blasien bis Ettlingen, nicht nur in Konzertsälen, sondern auch in einer Glashütte oder einer Brauerei. Dafür haben wir zusammen mit den Städten, Gemeinden und Landkreisen eine kommunale gemeinnützige GmbH gegründet. Musik auf diesem Niveau an Orten, wo ich in den 70er Jahren im Trachtenblasorchester Saxofon gespielt habe: Das ist schon toll.

...Konstantin Wecker:

Eigentlich fing alles schon 1977 an. Zu meiner Konfirmation bekam ich einen Gutschein für ein Elektrogeschäft und da gab’s 20 Schallplatten. Nur eine interessierte mich, die Doppel-LP „Deutscher Liedermacher-Preis 1977“. Mit Songs von Konstantin Wecker. Die habe ich zu Hause laufen gelassen, bis sie keine Rillen mehr hatte. Der Klang seiner Stimme, die Texte, die Instrumentation – das ist bis heute ein Schatz für mich. Im Jahr 2000 bereitete ich dann in Budapest die europäische Erstaufführung des Konzertes für Schlagzeug und Orchester von Joseph Schwantner vor – und das klang wie Konstantin Wecker. „Der muss das hören. Das klingt wie seine Stücke und der kennt das bestimmt noch nicht“, sagte ich zu meinem Solisten. Irgendwann waren wir mit diesem Werk im Herkulessaal in München und ich habe einfach die Auskunft angerufen und gefragt, ob sie eine Nummer von ihm hätten. Und die hatten eine. Also habe ich diese Nummer angerufen und er war auch gleich am Telefon. Ich habe ihn zum Konzert eingeladen – und kaum 30 Minuten später habe ich bei ihm zu Hause Karten vorbei gebracht. Er kam dann auch und hat während des Konzertes getanzt. Heute ist er für mich Freund, Künstlerfreund und Partner und er war ja schon mehrfach in Baiersbronn zu Gast. Als Solist oder mit Band. Konstantin ist einer, der sich immer bemüht, sich treu zu bleiben – trotz aller Irrungen und Wirrungen. Musik ist für ihn wie für mich Liebe. Das ist eine tiefe Erkenntnis, weil Musik wirklich mehr ist als nur Wiedergabe. Sie ist immer Begegnung – manchmal auch mit sich selbst. Man entdeckt sich und legt sich bloß und wird dadurch natürlich verletzlich, bleibt sich dabei jedoch treu und folgt seinem Herzen. Weil Musik Liebe ist.

Das Schwarzwald Musikfestival

Ob in großen Festsälen, Brauereien, modernen Werkshallen oder alten Schwarzwälder Bauernhöfen: Seit 1998 bringt das Schwarzwald Musikfestival Klassik, Jazz und Weltmusik in jeden Winkel der Region. Mit renommierten Künstlern, national wie international, und Tausenden von Zuschauern ist das Festival in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem der großen Highlights im Südwesten Deutschlands aufgestiegen. Ob Chor, Orchester oder Solist: 15 Konzerte können Sie in diesem Jahr vom 24. Mai bis 10. Juni erleben. Und für Kinder gibt’s tolle Möglichkeiten, klassische Musik in interaktiven Workshops zu entdecken und zu erleben. Alle Termine und mehr Infos unter www.schwarzwald-musikfestival.de

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